Start Die 152VO Rennklasse Das Baujahr: warum 1924 - 1960?

Warum wählen wir ein Baujahr zwischen 1924 und 1960?

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Wann die ersten Outboard-Rennen veranstaltet wurden, weiss niemand so ganz genau. Alte Fotos belegen, dass schon in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts "Outboard-Rennen" ausgetragen wurden - mit Flachboden-Fischerkähne und kleinen 2-PS-Motörchen. Zum Teil waren es bereits organisierte Rennen, wie z.B. der frühe "Evinrude-Cup" (der eingestellt wurde, nachdem Boote mit Johnson-Motoren den Pokal gewannen). Es gab jedoch kein klares Schema und keine festen Rennregeln.


Die Racing-Outboards (ab 1924)

Racing Outboard ("Alky")Ein wichtiges Datum ist jedoch historisch belegt: 1924 legt die American Powerboat Association (APBA) erste Regeln für sanktionierte Outboard-Rennen vor. Die Boote werden je nach Motorisierung in verschiedene » Rennklassen eingeteilt. Gleichzeitig werden Abmessungen und Gewichte der Boote der Boote definiert, Sicherheitsanforderungen festgelegt (z.B. Helm, Schwimmweste, Sicherheits-Gasgriff), Punkttabellen für die Rennwertung aufgestellt, etc. Es ist die Geburtsstunde der "Racing Outboards" oder "Alky-Rennen", die gegen Mitte der 40er Jahre ihre Hochblüte erreicht.

Durch die Versorgungskrise während des 2. Weltkriegs finden diese Rennen ein jähes Ende. Auch nach dem Krieg kommen sie nur mühsam wieder in Schwung, denn die großen Motorenhersteller haben die Fertigung der aufwändigen und entsprechend teuren Renntriebwerke eingestellt.

Gleichzeitig etabliert sich jedoch eine ganz neue Art von Rennen: Jugendliche fahren mit standardisierten Serienmotoren und einfachen "Family-Runabouts" um die Wette und eifern mit einfachsten Mitteln ihren großen Vorkriegs-Rennidolen nach. Die APBA erkennt das große Potenzial dieser Entwicklung und definiert Regeln für eine neue Renngattung: das "Stock Outboard Racing" (Rennen mit serienmässigen Motoren) ist geboren. Diese "Volksrennen" führen zu einem wahren Rennfieber in den frühen 50er Jahren, die Mitgliederzahlen der APBA vervierfachen sich. 


Das Stock-Outboard-Racing (1948 - 1959)

Der rauhe Charme des "Stock Outboard Racings" besteht in seiner Simplizität: die kleinen Rennboote können von jedem halbwegs begabten Heimwerker in der eigenen Garage erbaut werden, die Pläne dazu sind am nächsten Zeitschriftenkiosk verfügbar. Die serienmässigen Motoren dürfen in keinster Weise verändert werden, professionelle "Tuning-Erfahrung" ist also nicht gefragt. Zudem ist der Einstieg für (fast) jedermann erschwinglich: 50 Dollar für das Bootsmaterial und 10 Dollar für einen ausrangierten Außenborder vom Schrotthändler reichen anfangs meist schon aus, um an den Stock-Rennen teilnehmen zu können.

Stock-Outboard RennbootStock-Rennen sind höchst spannend: aufgrund der nahezu identischen Motorisierung fahren die Boote annähernd gleich schnell. Sobald es einem Fahrer gelingt, auch nur 1 mph schneller zu sein als seine Konkurrenten, wird sein Boot sofort aufmerksam in Augenschein genommen, um das Geheimnis dieser Geschwindigkeitserhöhung zu lüften. So kommt es zu einer raschen Evolution der Bootsrümpfe - überall wird modifiziert, gebaut, getestet, voneinander abgeschaut, um aus der minimalen Motorleistung die maximale Bootsgeschwindigkeit herauszukitzeln. Gleichzeitig gründen einige besonders begabte und erfolgreiche Rennfahrer kleine Rennbootwerften und beginnen damit, leistungsfähige Rümpfe (oder auch komplette Rennboote) professionell in Serie zu fertigen und zu verkaufen. 

Allerdings haben die Stock-Fahrer ihre Rechnung ohne die Industrie gemacht. Denn die Motorenhersteller - allen voran Karl Kiekhaefer von Mercury - erkennen recht bald die große Werbewirkung, die durch gewonnene Rennen erzielt wird. Sie entwickeln spezielle Stock-Racing-Motoren, die die Rennboote deutlich schneller machen, jedoch für den Alltagsgebrauch nicht geeignet sind (z.B. fehlender Leerlauf / Rückwärtsgang). Diese Motoren sind deutlich teurer als die ursprünglichen "fishing engines". Gleichzeitig werden Werksfahrer engagiert oder besonders begabte Fahrer z.B. aus den Hochschulteams gesponsort. Die sehr enge Zusammenarbeit der APBA mit der Firma Mercury führt zudem zu einer immer stärkeren Monopolisierung bei den Motorisierungen. Ab den mittleren 50er Jahren sind praktisch alle Stock-Rennboote mit Mercurys ausgerüstet - die vielen Johnsons, Evinrudes, Champions, etc. verschwinden aus dem bunten Rennfeld. 

All dies führt dazu, dass der eigentliche "Stock-Gedanke", die Idee des "Volksrennens für Jedermann" schleichend ausgehebelt wird. Das Equipment und die Rennen werden immer teurer. Schon Mitte der 50er Jahre hat ein ambitionierter Laie kaum noch eine Chance gegen Werksteams und gesponsorte Fahrer in ihren professionell gebauten Booten. Parallel dazu schiesst die Leistung und der Hubraum der Serienmotoren immer weiter in die Höhe. Laut APBA-Reglement sind in den grössten Stock-Klassen (Klasse FU) Motoren bis max. 60 ci (= 983 ccm) gestattet, während die Motorenhersteller bereits Großserientypen von 80 - 100 ci entwickeln. Die brachiale Leistung dieser grösseren Motoren lässt sich aber nicht mehr an kleinen Holzbooten fahren. Als Mercury dann noch gegen Ende der 50er Jahre verkündet, dass die Produktion der Stock-Racing-Motoren eingestellt wird, bedeutet dies das endgültige Aus für die Stock-Racing-Klassen. Die "Jedermann-Rennen" mit kleinen Motoren und Holzrümpfen sind Geschichte.


Die OPC-Rennen (ab 1960)

Outboard Pleasure CraftDie Entwicklung immer stärkerer und grösserer Motoren führt 1960 zur Gründung der OPC-Rennklassen ("Outboard Pleasure Craft", später "Outboard Performance Craft" genannt).

Die Weiterentwicklung der hydrodynamischen und aerodynamischen Kenntnisse führt zu ganz neuen Rumpfformen wie z.B. Deep-Vs, Katamarane und Tunnels. Die Rümpfe werden meist in modernen Verbundfaserwerkstoffen wie GFK gefertigt. Damit kann erstmals die brachiale Leistungsentfaltung der großen Motoren umgesetzt werden.

Durch neue Erkenntnisse ändern sich auch die physikalischen Grundlagen: zur Erzielung immer höherer Geschwindigkeiten wird die Reduzierung der benetzen Fläche zum zentralen Thema. Die gezielte Nutzung der Aerodynamik führt zur Entwicklung von Booten, die im Rennen kaum noch Wasserberührung haben. Der ehemalige Rumpf-Gleitzustand wird durch einen Flugzustand ersetzt, bei dem sich nur noch der Propeller in ständigem Wasserkontakt befindet. Diese Boote werden nicht mehr kniend, sondern ausschliesslich sitzend oder liegend gefahren. Die frühen 1960er Jahre kennzeichnen somit auch den Übergang vom vorwiegend hydrodynamisch zum vorwiegend aerodynamisch fahrenden Rennboot (Proprider, Tunnels, etc.). Gleichzeitig explodieren die Kosten: Sponsoring und Werbung dominieren die Rennszene, die Boote werden zu bunten Reklameträgern. 

Die OPC-Klassen existieren bis heute; ihre letzte Evolutionsstufe sind die bekannten Formel-1-Tunnels. Diese Rennen haben mit dem rauen Charme, den einfachen Mitteln und dem freundschaftlichen Pioniergeist der ursprünglichen Stock-Outboard- und Racing-Outboard-Rennen kaum noch etwas gemeinsam. 


Die 152VO-Rennen

Die oben geschilderte geschichtliche Entwicklung der Outboard-Rennen macht deutlich, warum in den Bauregeln der 152VO-Rennklasse ein Vorbild-Baujahr zwischen 1924 und 1960 festgeschrieben ist - mit Schwerpunkt auf den 50er Jahren. Dieser Zeitraum definiert die Aera der einfachen Holzrennboote, die aus einer sehr begrenzten Motorleistung enorme Geschwindigkeiten erzielen konnten. So hat es Karl Kiekhaefer seinerzeit immer wieder in Freudentaumel versetzt, wenn ein kleiner Class-BU-Racer mit seinem 20-ci-Mercury problemlos an einem großen Family-Runabout mit einem 50-PS-Johnson Big Twin am Heck vorbeirauschte.

152VO-RennbooteGenau das macht auch bei 152VO den besonderen Reiz aus: mit geringen Mitteln maximale Fahrleistungen zu erzielen! Damit erklärt sich auch, warum uns die Zeit nach 1960 nicht mehr interessiert: ein Rennboot mit Riesen-Motorleistung und hohem finanziellen Aufwand auf Speed zu bringen - das kann im Grunde jeder, da wird es beliebig. Aber mit kleinen, charmanten, einfachen Holzrümpfen und preiswerter RC-Technik Geschwindigkeiten zu erzielen, die so manchem modernen GFK-Ready-to-Run-Modell die Schamesröte ins Gesicht treiben... das ist der besondere Kick, den man nur bei 152VO hautnah erleben kann.

In einer Hinsicht sind wir jedoch nicht 100% vorbildgetreu: bei 152VO fahren Modelle der Stock-Racing-Klassen gemeinsam mit Racing-Outboards ("Alkies" oder "Modifieds") in einem Rennen. Beim Vorbild liefen diese beiden Gattungen stets getrennt voneinander. Und sogar "Cottage Racer" sind im 152VO-Rennfeld zugelassen - kleine Amateur-Rennboote, die beim Original in den späten 1940er Jahren die Anfänge des Stock-Racings markierten. Bei 152VO bereichern sie das bunte Rennfeld... und haben genauso realistische Sieg-Chancen wie ihre "professionellen" Kollegen. Denn durch das » Qualifying werden alle 152VO-Boote in gleich starke Renngruppen eingeteilt.