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THEMA: Switzercraft Baby Bullet (1951) VO-47

Switzercraft Baby Bullet (1951) VO-47 28 Mär 2013 08:35 #11

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Vielleicht solltest Du doch hauptberuflich schreiben?? P H Ä N O M E N A L :top:
Man sollte sich selbst nicht zu ernst nehmen
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Switzercraft Baby Bullet (1951) VO-47 28 Mär 2013 14:23 #12

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Kommt die Story auch demnächst als Buch heraus, so als gute Bettlektüre. :rofl:

Weiter so. :top:

ALEX
:dance: Die Arche Noah wurde von Amateuren gebaut, die Titanic von Profis :dance:
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Switzercraft Baby Bullet (1951) VO-47 28 Mär 2013 14:29 #13

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Jochen das liest sich so entspannt und gut :top: Möchte ich als Lektüre gern zu meiner Osterreise in die USA mitnehmen...

(PS: Gab es an der Westküste (LA und San Diego) eigentlich auch solche Bootsrennen. Würde da gern mal nach schauen, suchen...)
Geht nicht, gibt es nicht!

RC-Powerboat-Team NWM
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Switzercraft Baby Bullet (1951) VO-47 28 Mär 2013 16:22 #14

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Ich muss gestehen: die Story steht schon seit einiger Zeit - es ist ein neuer Artikel für die ModellWerft. Nur das Boot zur Story existierte noch nicht. Und ich mache jetzt mit euch den Sneak-Preview-Test. :) Also ruhig feste kritisieren, ihr könnt die Story unmittelbar beeinflussen.

Eberhard, es gab überall in den USA Outboard-Rennen. Allerdings wurden an der Westküste andere Rennen gefahren als an der Ostküste. Mit anderen Booten. Das war bei den Inboardern auch so: an der Westküste liefen die Crackerboxes, an der Ostküste die Jersey Speed Skiffs. Warum das so war - da habe ich lange rumgerätselt. Rod hat mir neulich die - sehr einfache! - Erklärung geliefert:

In den 50ern verfügte die USA über kein ausgebautes Logistiknetz mit Highways und Speditionen und Güterumschlagplätzen. Deshalb wäre der Transport eines Rennbootes quer durch die USA teurer gewesen als das Boot selber. Sprich: praktisch nicht bezahlbar. Und deshalb kaufte man Boote von denjenigen Werften, die sich in der Nähe befanden. Das erklärt auch, warum sich regelrechte regionale "Outboard-Zentren" entwickelten: Gebiete, in denen sich gleich mehrere Outboard-Hersteller und Werften ansiedelten. Dort existierte dann auch eine besonders hohe Rennaktivität. Eine dieser Hochburgen war Wisconsin. Da war u.a. Mercury angesiedelt (Cedarburg) und Martin (National Pressure Cooker Co. / Eau Claire). Lake Winnebago befand sich auch ganz in der Nähe... kein Wunder, dass dort die grössten Bootsrennen aller Zeiten statt fanden.

Die Alternative zur Beschaffung eines speziellen Bootes war: zu den APBA Nationals zu fahren. Das muss eine Art Pilgerreise gewesen sein, denn dort waren auch alle Hersteller vor Ort anwesend. Man kaufte auf den Nationals ein Boot und einen Motor, schnallte das Boot auf den Trailer und fuhr 7 Tage lang zurück. War offenbar garnicht so einfach, so ein Boot zu kriegen. :unsure:
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Der Bau der Switzercraft Baby Bullet VO-47 - PART #2 29 Mär 2013 20:19 #15

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Kapitel 2: Die längste aller Arbeitswochen

Die nächste Woche fliesst zäh dahin, ich kann das Wochenende kaum erwarten. Jeder Tag scheint 60 Stunden zu haben. Mittwochabend treffe ich Chad zufällig bei "Buddie's"; er erzählt mir, dass er mit dem Zuschneiden begonnen habe. Die ersten Teile seien bereits einbaufertig, er habe sich eine modulare Konstruktion einfallen lassen, die den Bau ungemein verkürzen würde. Na prima - das steigert meine Ungeduld und Neugier ins Unermessliche.


Chad hat bereits mit dem Bau begonnen: Leisten werden auf Maß gebracht...


... die zugeschnittenen Sperrholzteile werden in die Hobelbank eingespannt...


...und dann "genotcht".


Die Einzelteile werden mit massiven Nussbaumdübeln zu fertigen Baugruppen zusammen gesetzt.


Immer mehr vorbereitete Baugruppen stapeln sich in der Werkstatt...

Nur noch zweieinhalb Tage - dann kann ich endlich sehen, was Chad bereits alles vorbereitet hat.

Endlich ist es Freitag abend. Feierabend, Wochenende... morgen wird die Baby Bullet gebaut! Als ich meine Sachen zusammen packe und gerade den Betrieb verlassen will, stosse ich an der Tür mit meinem Chef zusammen: "Dean, alles klar bei dir? Du hast in den letzten Tagen so einen abwesenden Eindruck gemacht - als wärst du mit deinen Gedanken ganz woanders." Ich murmele kurz etwas in der Art von "neinnein, alles ok" und erkläre, dass ich nur gerade mit einer Erkältung kämpfen würde, Kopfschmerzen, leichte Schwindelgefühle, nach dem Wochende wäre alles wieder gut. "Na dann - gute Besserung... mach' dir ein ruhiges Wochenende!" Ruhiges Wochenende? Wenn der wüsste! Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.

Draussen ist es bereits dunkel, naßkalter Schneeregen. Das fahle Licht der Straßenlaternen spiegelt sich in den Pfützen. Ich schlage den Mantelkragen hoch und sehe zu, dass ich nach Hause komme. So ein Scheisswetter - und das Ende März! Da macht sich die Nähe zu Kanada bemerkbar - das beginnt ja direkt auf der anderen Flußseite, die "Thousand Islands" liegen im Grenzgebiet. Wann wird es endlich Frühling? Zu Hause angekommen mache ich mir schnell eine Dose Chili warm, lese ein paar Seiten "Speed and Spray" und verziehe mich dann ziemlich bald ins Bett. Den Wecker habe ich auf 7 Uhr gestellt, aber ich kann nicht einschlafen.

Nachts habe ich einen wirren Traum: ich sitze in meinem BU-Utility im Yachthafen von Neenah, am Start des Winnebagoland-Marathons. Am Heck meines Bootes ein flammneuer Martin 200 Silver Streak. Als ich mich gerade wundern will, wo dieser Edelmotor herkommt und von welchem Geld ich ihn bezahlt habe, taucht Carl Kiekhaefer, der Mercury-Chef, am Ufer auf. Er schreit und tobt: dieser Motor sei nicht regelkonform, jedes BU müsse mit einem Mark 20-H motorisiert sein, er würde mich sofort disqualifizieren lassen. Während Kiekhaefer zur Rennleitung rüber rennt und dort eine heftige Diskussion mit den Rennkommissaren beginnt, steht plötzlich Chad neben mir auf dem Bootssteg und sagt: "Nimm' einfach meinen 20-H!" Gottseidank - Chad ist doch wirklich ein super Kumpel, man kann sich einfach in jeder Situation auf ihn verlassen. Ich versuche, den Martin vom Heck meines Bootes zu schrauben, aber so sehr ich mich auch bemühe: ich bekomme die Transomklammern nicht auf. Während ich mich mit verkrampften Fingern vegeblich abmühe, ertönt das Startsignal zum BU-Rennen. Panik steigt in mir auf, 60 Boote ziehen mit tösendem Zweitaktgebrüll an mir vorbei, Carl Kiekhaefer ruft mir mit drohend erhobenem Zeigefinger zu: "Siehst du - ich habe es dir doch gesagt!" und die Rennkommissare biegen sich vor Lachen über meinen völlig verpatzten Start. Das Geklingel des Startsignal hört und hört nicht auf, es wird sogar immer lauter. Schliesslich reisst es mich aus dem Schlaf... und ich stelle irritiert fest: es ist nur der Wecker, dieses alte Mistding! Schon 7 Uhr 10. Ich habe das Gefühl, keine Viertelstunde geschlafen zu haben. Mein Gott, was für eine Nacht. Jetzt aber erst einmal einen richtig heißen, starken, schwarzen Kaffee. Und dann zu Chad.

Chad und seine Racine... habe ich euch eigentlich schon erzählt, wie er da drangekommen ist? Als Jeremy Willis vor 7 Monaten das Zeitliche segnete, verkaufte die Witwe aus Geldmangel das gesamte Inventar seiner Möbeltischlerei. Chad ergriff sofort die Gelegenheit und erstand für wenige Dollar ein echtes Sahnestückchen: eine 20 Jahre alte Racine-Bandsäge, bildschön, schwer wie ein russischer Panzer und stark wie eine Herde nordamerikanischer Büffel. Mit einer Racine schneidet man einzölliges Mahagonisperrholz wie ein Stück Butter mit dem heißen Messer - eine phantastische Maschine! Als ich um Viertel vor Acht vor Chads Hinterhof-Werkstatt ankomme, höre ich schon das Heulen seiner Racine. Ich öffne die Werkstatttür...
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Switzercraft Baby Bullet (1951) VO-47 29 Mär 2013 20:51 #16

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Kikke

:rc: :rc:
Alt genug, um besser zu wissen,
Aber jung genug, um es anders zu machen


Jan
:rc:
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Switzercraft Baby Bullet (1951) VO-47 29 Mär 2013 21:22 #17

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Völlig unrealistisch. :-)
Guckt euch mal die Werkstatt an - fällt euch was auf? :oops:
Völlig aufgeräumt - nicht ein Fitzelchen liegt da rum! - kein Staub, kein Abfall, kein benutztes Werkzeug... :rofl:
Wo gibts denn so was - ne ne. ;)
Das musste noch mal ändern - aber sonst: SUPER! :top:

Kai
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Switzercraft Baby Bullet (1951) VO-47 29 Mär 2013 21:27 #18

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Zwiebelfisch schrieb:
Völlig aufgeräumt - nicht ein Fitzelchen liegt da rum! - kein Staub, kein Abfall, kein benutztes Werkzeug...
Ja sischer - so sieht meine Werkstatt immer aus... :rofl:
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Der Bau der Switzercraft Baby Bullet VO-47 - PART #3 30 Mär 2013 15:21 #19

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Kapitel 3: Eine ganz spezielle Bauweise

Chad ist bester Laune, winkt mir zu, "Hey Buddy - how are you?" und legt fröhlich pfeifend ein paar zugeschnittene Holzteile auf eine Palette, auf der sich bereits ein gutes Dutzend anderer Teile stapeln. "Komm, hilf' mir mal... dann kann ich dir gleich zeigen, wie wir das Baby aufbauen werden." Ich staune nicht schlecht: Bob hat in den letzten Tagen bereits alle Spanten, den Steven und sämtliche Aussteifungen zugeschnitten. In der Werkstattecke stapeln sich die Birnbaumleisten, auf der Werkbank steht ein großer Eimer Weißleim und zwei 1-Gallon-Kanister "Great Lakes Spar" - ein hervorragender Bootslack. Wir können also direkt loslegen.

Aber zuerst schaffen wir mal Platz für die Helling - überall liegen Teile herum, die wir auf einer Palette stapeln. Man kann sich kaum noch bewegen. "Willst du dir deine Jacke nicht ausziehen?" fragt Chad. "Erst, wenn der Ofen hochgelaufen ist," antworte ich, "du hast hier ja sibirische Temperaturen. Wie hältst du das bloss in deinem dünnen Hemd aus?" - "Ich arbeite!" lacht Chad.





Die Baby Bullet ist ein reines Marathonboot, konstruiert für harten Rauwassereinsatz und hohen Wellengang. Das Auffällige ist ihre ebenso einfache wie äusserst stabile Konstruktion: nur zwei Frames und ein Transom. Viel weniger Stringer als vergleichbare Rennboote, sattdessen eine ungewöhnlich dicke Beplankung. Auf dem Cockpitboden verlaufen zwei sehr massive Diagonalaussteifungen. Der Transom ist ebenfalls außergewöhnlich markant: das Motorbord ist nicht - wie bei allen anderen Utilities üblich - ein Teil des Heckspants, sondern separat im mehrteiligen Heckspiegel eingezogen.

Chad ist ein sehr erfahrener Bootsbauer, der in langer Praxis eine ganz spezielle Bauweise entwickelt hat. Bevor er zu bauen beginnt, plant er das Boot bis ins Detail durch, inklusive dem gesamten technischen Ausbau. "Das bedeutet zwar am Anfang etwas mehr Arbeit", erklärt er, "aber dafür geht der eigentliche Bau umso zügiger und koordinierter von der Hand. Normalerweise beginnen die echten Probleme ja erst dann, wenn der Rohbau bereits fertig ist. Dann merkst du, was du alles vergessen hast und fängst an zu improvisieren. Das passiert uns hier nicht."

Normalerweise würde man damit beginnen, ein Bootsgerippe aus rohen Spanten und Stringern aufzubauen. Chad bereitet dagegen direkt ganze Baugruppen vor. Sie enthalten bereits alle Details, die erst viel später benötigt werden. "Wenn du das schon vorher machst, kommst du viel besser dran - und du weisst, das hinterher alles passen wird." Alle Teile sind miteinander verzahnt und zusätzlich mit Paßdübeln verleimt. Als Sperrholz kommt durchweg vielschichtiges "High grade Marine Plywood" zum Einsatz. So ganz verstehe ich noch nicht, welche Funktion die verschiedenen Aussparungen und Verzapfungen haben werden. Chad grinst mich an: "Komm, ich zeig's dir!"



"Fangen wir hinten an, beim Transom. Der ist aus 21 Teilen zusammen gesetzt. Die Querstrebe vor dem Motorboard wird erst später rausgesägt, auf der Helling. Die brauchte ich, um den Transom völlig verzugsfrei aufzubauen."



"Die Vorderseite des Transoms: das Motorboard habe ich geschlitzt, da drin wird der Kiel verzapft. Das ist besser, als ihn stumpf anzusetzen, weil wir dadurch den heftigen Schub des Mark 20-H gleichmässig in die gesamte Tragstruktur eingeleitet kriegen. Links und rechts vom Motorboard haben wir zwei kleine Auflagen für das Kneelingboard, damit es nicht kippelt. Es wird aber hauptsächlich vom Kiel und den beiden Diagonalstreben getragen." Ich unterbreche ihn: "Die beiden Notches an der Oberseite liegen nicht übereinander!" - "Das ist richtig - da kommen die Längsholme ja auch nicht rechtwinklig am Spant an, sondern schräg. Die Notches müssen wir dann noch entsprechend schräg schleifen - aber das machen wir später, wenn wir den genauen Winkel kennen."



"Hier haben wir die Rückseite von Spant #2 - also die vordere Begrenzung des Cockpits. In die beiden Notches links und rechts kommt die Halterung für die Rollenblöcke. Die beiden Steuerseil-Durchführungen sind auch schon drin - schräg gefräst, im richtigen Winkel. Damit das Seil auch wirklich auf der Seiltrommel landet." Ich staune nicht schlecht: selbst der Kill Switch ist schon eingebaut, diesmal unterhalb der Steuerseile. Das macht Sinn, denke ich mir. Bei meiner Atomite geraten Kabel und Steuerseile öfter durcheinander, das kann hier nicht passieren.



"Auf der Vorderseite des Spants haben wir eine verbreiterte Decksauflage. Die brauchen wir für die Luke des vorderen Cockpits. Darin nochmal die beiden schrägen Seilführungen. Und eine Verstärkung für den Kill Switch - den reisst keiner raus!" lacht Chad. "Unten wieder zwei Auflagen, die sind für das Technikboard." Für das was? Aber während ich noch grübele, hat Chad bereits den nächsten Spant auf die Hobelbank gelegt:



"Keine Besonderheiten. Der Spant ist bereits dicht gemacht mit einer Zwischenlage aus 1mm Sperrholz, genau wie der Cockpitspant. Und auf der Vorderseite..."



"... haben wir nochmal eine Aufdoppelung für den Rumpfboden. Da stossen zwei Beplankungsteile zusammen, darum möchte ich an der Stelle ein bisschen mehr Auflagefläche haben. Komm, lass' uns mal alles wieder in die Ecke räumen, dann haben wir Platz für den Kiel."





Wir wuchten einen schweren Balken auf die Hobelbank. Besser gesagt: eine mehrteilige Konstruktion, die so garnicht nach einer normalen Kielleiste aussieht. Überall Notches, Winkel, Rastnasen... was hat er denn da wieder konstruiert?



"Das wirst du verstehen, sobald wir ihn einbauen... das ist momentan ein bisschen kompliziert zu erklären. Kurz gesagt: der Kiel fixiert sämtliche Teile, die ihn irgendwie berühren, in eindeutiger Position. Er hat "Rastungen" für den Steven, die beiden Floorboards und das Motorboard, die Verstärkung für die Turnfin, Anschläge für das Steeringboard und für die Spanten, die unterschiedlich tief genotcht sind. Aber egal - das ist alles selbsterklärend, wenn wir ihn einbauen."



Ich muss gestehen: momentan verstehe ich diesen Kiel wirklich noch nicht. Aber Chad wird schon wissen, was er tut.



"Der Steven - mit Aussparungen für den Breasthook, den Chinelog und einer Verzapfung für den Kiel." Chad haut mir ein Fachvokabular um die Ohren, dass mir der Kopf raucht. Offenbar interpretiert er meinen verständnislosen Blick richtig, denn er lacht kurz auf und sagt: "Alles halb so wild - mach dir keinen Kopf. Wichtig am Steven ist, dass er Kiel, Spant 1 und Helling kraftschlüssig miteinander verbindet. Dadurch sind die Spanten in allen drei Raumachsen eindeutig fixiert und können nicht ausweichen - ein Verzug des Gerippes ist schlichtweg unmöglich." Ich schaue meinen Freund an: "Ehrlich gesagt: ich verstehe nur die Hälfte. Aber es klingt zumindest ziemlich vielversprechend. Du sagst mir einfach, was ich tun soll - und ich glaube dir einfach, dass es das Richtige ist."

"Komm", ermuntert mich Chad, "hier haben wir etwas Einfacheres: ..."



"... das Floorboard. Ich hoffe, die Toe Holes passen zu deiner Schuhgrösse." Na, damit kann ich was anfangen. Mein zukünftiger Arbeitsplatz, sehr gut.



"Und was, bitte, ist das hier?" frage ich Chad. Eine äusserst merkwürdige Platte. So etwas habe ich noch nie in einem Boot gesehen. "Das ist das Technikboard. Und oben drauf die Servohalterung mit Kabeldurchführungen."



Irritiert blicke ich zu Chad hoch: "Servohalterung? Technikboard? ... was?" Chad grinst mich an: "Das erklär' ich dir später".

Na ok - ich lerne ja noch. Chad hat auf jeden Fall gute Vorarbeit geleistet. Ich stecke mir eine Luckies in den Mundwinkel: "Dann können wir jetzt also direkt mit der Helling beginnen?" - "Wir können beginnen, ja." Aber Chad beginnt garnichts, ohne vorher nochmal einen genauen Blick in den Plan geworfen zu haben.



"Ok, dann lass' uns starten. Aber vorher... hey, wir haben ja schon halb zehn! Zeit für ein Bud." Er öffnet die Küchentür und verschwindet im Nebenraum. Das ist das Tolle an Chad's Werkstatt: der Kühlschrank ist nur ein paar Schritte entfernt. Kurz darauf kommt er mit zwei wohlbekannten Dosen zurück: "Also dann: Prost - auf dein neues Boot!"

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Der Bau der Switzercraft Baby Bullet VO-47 - PART #3 30 Mär 2013 17:04 #20

  • Dirk Jan
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Great build report!! And very clean building skills, I like it a lot :top:
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